OSTEN UNGESCHMINKT
Wer sich in der DDR mit den Symbolen und Moden des "amerikanischen Klassenfeindes" schmückte, geriet schnell ins Visier der Behörden.
So wurden Blue-Jeans von der DDR-Propaganda in Bausch und Bogen verdammt - dennoch entwickelte sich die von West-Verwandten mitgebrachte "Nietenhose" schnell zum Kult- und Statusobjekt. Schließlich baute die DDR eine eigene Jeans-Produktion auf, die allerdings 1978 ins Stocken geriet. Um die Nachfrage zu befriedigen, importierte der Staat zu Weihnachten 1978 eine Million Levis aus den USA - trotz Devisenknappheit.
Die DDR war ein Land mit sehr gegensätzlichen Gesichtern. Der Zusammenhalt der Menschen, unter Kollegen oder in der Nachbarschaft war besser, sagen die meisten, die es erlebt haben. Gleichzeitig reichte ein Spitzelnetz in die Betrieb, Vereine und manchmal sogar Familien.
Unproduktiv sei der Osten gewesen, heißt es heute oft - und doch wurde jeder zweite Berliner Haushalt von den staatlichen Wohnungsbaukombinaten mit einer neuen Plattenbauwohnung versorgt - fur eine symbolische Miete.
Begleiten Sie uns auf eine Expedition in ein versunkenes Land und erfahren Sie, wie es wirklich war.
Einer steht noch. Etliche sozialistische Großdenkmale wurden nach der Wende demontiert, so auch eine 30 Meter hohe Leninstatue. Der klobige Ernst Thälmann, Vorsitzender der Kommunistischen Partei in der Weimarer Republik, hat im gleichnamigen Park überlebt - nur das nächtliche Flutlicht hat man ihm ausgeknipst.
Night and Day. 1987 wurde das Ost-Berliner Planetarium eröffnet. Die silberne Kuppel mit 23 Meter Durchmesser ist mit Optik und Feinmechanik von den Zeiss-Werken in Jena ausgestattet.


- 9000 Sterne und zahlreiche kosmische Phänomene können an den künstlichen Himmel projiziert werden.


- Wer erinnert sich nicht an den olympischen Medaillenspiegel und die erfolgreichen DDR-Athleten. Das Sportforum Hohenschönhausen war so eine Kaderschmiede. Viele Sieger von einst wurden - oft ohne ihr Wissen - gedopt und leiden heute unter schweren Gesundheitsproblemen.
Im Wellblechpalast feiern heute die Berliner Eisbären Erfolge.
Ein Quadratkilometer Stasi-Zentrale. Insgesamt beschäftigte die DDR-Staatssicherheit 80.000 hauptamtliche Mitarbeiter. Sie führten 170.000 so genannte "Inoffizielle Mitarbeiter", die draußen im Lande Berichte über ihre Mitmenschen verfassten.


- In den Stasi-Knästen zeigten sich die DDR genauso grausam wie an ihren ummauerten Außengrenzen. Regimegegner wurden hier tagelang verhört, in Dunkelzellen gesperrt und psychisch zermürbt.
Kultur und Jugend hatten in der DDR einen hohen Stellenwert. Trotz anderer Versorgungsengpässe wurden Theater und Opernhäuser mit hohem Personalstamm betrieben, es gab ein Haus des Kindes mit Kindercafé sowie zahlreiche Jugendklubs. Vieles davon gilt seit der Wende als nicht mehr finanzierbar.
Fast alles was in der DDR konsumiert wurde, musste das 17-Millionen-Einwohner-Land selbst herstellen. Weil ein starker Maschinenbausektor fehlte, wurde mit alten Anlagen und viel Improvisationstalent weiterproduziert.


- Viele der museumsreifen Betriebe waren nach 1989 nicht konkurrenzfähig und wurden geschlossen.
Am Anfang hatte man große Pläne. Paläste für die Arbeiter sollten entstehen. Und tatsächlich wurden viele Wohnungen der im sowjetischen Zuckerbäckerstil errichteten "Stalinallee" an Werktätige übergeben. Die heutige Karl-Marx-Alle gilt als letzter in Europa gebauter Prachtboulevard.
Schon bald war klar: Mit so aufwändigen Gebäuden konnte man die Wohnungsnot in der DDR nicht schnell lindern. Seit den 60er Jahren setzte man auf die Großplatte. Die rationelle Technik war ursprünglich von den Franzosen entwickelt worden: Vorproduzierte Betonteile werden auf der Baustelle nur noch zusammengesetzt.
Diese kleine virtuelle Rundfahrt kann die tatsächliche Teilnahme nicht ersetzen.